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UTHVACHT
DUN DARAKH

Unsere Geschichte -
Key'leith Geschichte -
die Geschichten vom Fall der Vachten

2024 haben wir mit der Zeremonie um das Erwachen von Key'leith in Dvorsh Bakay den Anfang gesetzt für den Enzy-Hintergrund des Festes 2025. Und wir sind zwar Phantasten aber Illusionen machen wir uns keine: Daher werden wir das alles nochmal aufbereitet präsentieren in den kommenden Wochen bis zum Fest der Fantasie.         

Erfahret, welche Ereignisse sich in der Albtraumstadt zutragen. Erfahret, was Key'leith träumt. Ihr könnt die Geschichten hier, im Follow und auf dem Follow Discord zum Lesen finden. Außerdem gibt es jeweils eine vertonte Variante, wunderbar stimmungsvoll eingesprochen von Katha Platz ( Kathas Stimme).

Einfach auf die Pfeile klicken. 

Was bisher geschah

Erzählt nach den Ereignissen der Festveranstalter-Zeremonie auf dem Fest 2024 

Der schwache Schein einer Kerze flackerte über Pergamentrollen und offene Bücher. Key’Leiths Kopf ruhte schwer auf ihren verschränkten Armen. Sie war geplagt von ihren Visionen eingeschlafen. Immer noch jagten dunkle Bilder durch ihren Traum, die zerrissenen Fragmente eines längst vergangenen Mysteriums – des Falls der Vachten. Schreie, schrill und verzerrt, hallten in Key’Leiths Seele, während Gesichter in groteske, formlose Schatten zerfielen. Sie erlebte den Untergang der Vachten so real, als wäre sie selbst im Strudel des Chaos gefangen – grausame Szenen von brennenden Städten, verdorrten Leibern und Schreien, die in der Dunkelheit erstickten. Ein Leiden, das tausende Seelen verschlang und sie bis ins Mark erschütterte. 

Auf einmal ist die Welt still. Die Träumerin blinzelt – und plötzlich ist sie nicht mehr an ihrem Schreibtisch. Stattdessen findet sie sich in einer Stadt wieder, die sie so noch nie gesehen hat. Der Himmel ist in unnatürliche Farben getaucht und der Horizont verschwimmt in einem Dämmerlicht, weder Tag noch Nacht zugehörig. Etwas bewegt sich vor ihr. 

Vera tritt auf sie zu, ihr Gesicht offen und freundlich. Keine Fremde, sondern jemand, der hierhergehört – jemand, der ihr helfen will. Ihre Präsenz ist ruhig, sicher, voller stiller Wärme. Key’Leith spricht von den Visionen, die sie quälen, während Vera ihr mit zuversichtlicher Gewissheit zuhört, als könne sie die Last mittragen. Sie bietet ihre Hilfe an und gemeinsam wandern die beiden durch den Traum. Schließlich reicht Vera Key’Leith mit einer Geste der Fürsorge eine Schale Wasser. Das Wasser ist klar und als es ihre Lippen benetzt, schmeckt es kühl und erfrischend. 

Etwas ist falsch.

Vera sieht es sofort. Sie blickt in Key’Leiths Gesicht und ein beklemmendes Gefühl legt sich um ihre Brust, lässt ihre Kehle eng werden. 

Eine unsichtbare Kraft reißt Key’Leiths Bewusstsein fort, die Schale fällt ihr aus den Händen und das Wasser spritzt über den Boden. Ihre Knie geben nach und ehe sie den Aufprall spüren kann, fällt sie. Tiefer, immer tiefer in die Dunkelheit ihres eigenen Traums. 

Vera entweicht ein erschrockener Laut. 

Dann brechen sie aus Key‘Leith hervor. Die Schatten. Die Albträume. Sie verschlingen die Stille, weben sich zu abartigen Formen. 

Vera taumelt entsetzt zurück. Ihr Herz schlägt wie wild, ihre Finger verkrampfen sich im Stoff ihrer Robe. Das hier… das war falsch. 

Die Traumstadt, die vor wenigen Sekunden noch still und friedlich war, beginnt sich zu verändern. Die Gebäude verzerren sich, die Straßen winden sich wie Würmer, als ob der Traum selbst zu leben beginnt. Alles um sie herum verwebt sich zu einem düsteren Albtraum, ein verzerrtes Abbild aller Städte die Key’Leith je in ihren Visionen sah. Plötzlich füllen ziellos umherirrende Gestalten die Szenerie – Magiraner und Magiranerinnen, die in dieser verzerrten Traumstadt gefangen sind, ihre Mienen starr vor Schreck und ihre Blicke voller angstvoller Verwirrung.

Paula
März 2025

Was bisher geschah - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Fall der Mármark - Hochmut tötet

Ein Antlitz so stolz; Mauern so prächtig
Im Mir sich erhebend, glanzvoll und mächtig.
Doch Hochmut im Herzen, die Vächter geblendet
Mármark zog aus, sie fällt und verendet.

 

Die Lampe war geformt wie eine weiße, hängende Blüte: ein Schneeglöckchen aus Kristall und Kupfer. Sie war Izmiras kostbarster Besitz. Gedankenverloren spielte die Herrscherin der Uthvacht mit dem Licht, stupste es an, dass es sich langsam, elegant um sich selbst drehte, die milden Schatten flattern ließ. Milchig weißes Licht floss über ihre Hände, schimmerte auf den goldenen Narben auf ihrer Hand, während…

„Domna[1], seid ihr noch bei mir?“ grollte Berengar.

Izmira ließ die Hand sinken. „Du willst die Herik-Bait [2] und die Omyr-Bait über diesen Pass schicken, von dem einer der Hirten zu wissen glaubt“, fasste sie erstaunlich korrekt zusammen, was der Caedes[3] versucht hatte von ihr genehmigt zu bekommen.

Der Mund des Dunkelhaarigen war ein schmaler Strich in seinem Bart. „Also, dann ist es ausgem…“

„Berengar, wenn es darum ging, das Lager gegen Dämonenhorden zu schützen, dann gäbe es niemanden, dem ich mein Leben bedenkenloser anvertrauen würde, aber die ist…“

„Domna, da ist noch eine von den Kringelschuhen, der zu euch will“, unterbrach eine klare Stimme das Gespräch, als der Wächter der Domna eintrat.

„Es heißt Ranabari, Liam“, meinte Izmira, stemmte sich aus dem Stuhl hoch. „Und es ist … verdammt, was will der mitten in der Nacht?“

„Er hat Bücher dabei und will sie abgeben.“

Die Herrscherin massierte sich die Nasenwurzel. „Gut, er soll sie … im Vorzelt auf den Tisch legen. Ich sehe sie mir gleich an. Und … danke ihm und besorge ihm ein Nachtlager und etwas zu essen.“

Sie wartete nicht, ob ihre Wache tat wie aufgetragen – sie wusste, es würde getan werden. „Berengar. Die Baits werden aufbrechen mit dir, morgen. Ihr werdet diesen Pass nehmen, der auf der Karte verzeichnet ist. Diese Straße, die ausgebaut und sicher ist und von der wir wissen, dass sie existiert. So seid ihr am schnellsten in Dalgani Etrak – trotz des Wetters.“

Auch wenn Berengar unwillig brummte, war sich Izmira sicher, dass getan werden würde, was getan werden musste. Sie nahm sich noch Zeit, für ein kurzes Gespräch und um den Krieger aus dem Zelt hinauszugeleiten, bevor sie sich umdrehte, um endlich wirklich ins Bett zu kommen. Es war so typisch für Berengar, sie auch hier, in ihrer privaten Unterkunft aufzusuchen. Wenn er meinte, was er zu besprechen hatte, sei wichtig, dann handelte er entsprechend. Andere kannten den Unterschied zwischen dem Beru [4]und ihrem Schlafzimmer besser … Irgendwo in diesem Satz war ein Witz versteckt, war sich Izmira sicher – aber sie fand ihn nicht. Dafür fiel ihr Blick auf den Tisch, wo neben einem Bündel mit den Besitztümern Domna Rothads[5] – um das sie sich auch noch nicht gekümmert hatte – ein Stapel Bücher vom Licht des magischen Glöckchens gerade noch erreicht wurde.

Izmira ließ die Finger über das Leder eines der Exemplare gleiten. Wie unendlich lang schien es her zu sein, dass ihr Leben von Büchern erfüllt gewesen war! Wie unwahrscheinlich wäre es ihr erschienen – damals – dass der Caedes um die Stunde des Fuchses[6] bei ihr aufgetaucht wäre! Und jetzt … jetzt lagen diese Bücher vor ihr, verführerisch wie unberührter Schnee – und sie hatte keine Zeit fürs Studieren und Lesen. Aber ein bisschen blättern …

‚Darothi[7] Scheiße‘, fluchte sie lautlos. „Liam!“

Der blonde Mann brauchte nur einen kurzen Moment, um zu erscheinen. Vermutlich, so dachte sich Izmira, hatte er sich schon hingelegt gehabt. „Es tut mir leid, aber bring doch bitte noch diese Bücher ins Beru zu Kennox. Sag ihm, sie sind für seine Studien, aber er soll vorsichtig sein.“

„Wenn diese Bücher gefährlich sind, sind sie vielleicht nicht geeignet für einen Menschen mit so wenig Erfahrung… Ich bin nicht sicher, ob du ihm nicht zu viel zutraust, Domna!“

Mit schräggelegtem Kopf musterte die Herrscherin den deutlich jüngeren Vächter, der aber vielleicht immer noch doppelt so alt war wie der talentierte Magier. „Kennox hat mir das Leben gerettet. Er wird klug mit diesen Sachen umgehen – und wenn schon. Es sind nur Bücher! Welche Gefahr soll davon schon ausgehen!“

 

* * * 

Im Beru

 

„Orys,
wenn du schreibst, dass der Schwarm der Ingai[8] so groß ist, dass deine Jäger den Boden mit den Füßen nicht mehr erreichen … was willst du mir dann wirklich sagen? Dass ihr auf Wache geschlafen habt? Dass die Jäger der Havan-Bait der Márvacht[9] Schande bereiten? Oder nur, dass du unfähig bist für das Amt, dass der Elna[10] von Noether[11] einen Fehler gemacht hat, als er dich zum Drakir[12] gemacht hat?

Behellige mich nicht mehr mit Problemen, die jede Dorf-Bait alleine lösen könnte!

Sammas“

 

Ein Zettel, eingeklemmt hinter der letzten Seite fällt heraus. Dann noch einer.

 

„Orys,
ich habe dir schon das letzte Mal geschrieben, dass es einem Vächter, noch weniger dem Drakir einer Bait mit über einem Dutzend Kreisen[13], angemessen ist, derartig zu jammern. Wenn ihr Immanti[14] seht, dann bekämpft ihr sie halt. Ich halte die Zahl, die du nennst, für übertrieben. So viele Dämonen rotten sich nicht zusammen, das wissen wir seit Generationen. Übertreibe nicht in Berichten nur um dein Versagen zu kaschieren.

Nun tu deine Pflicht! Die Márvacht ist größer als jede Dämonenmacht.

Sammas“

 

Neugierde. Mehr Bütten. Vergilbt. Alt. Brüchig.

 

„Wir haben beschlossen, dir den Titel des Drakirs der Havan-Bait zu entziehen, Orys. Du bist dessen nicht würdig. Drakir, die um Beistand flehen, sind der Márvacht nicht würdig. Hast du den Schwur vergessen, eher unterzugehen als Schwäche zu zeigen? Es hilft dir auch nicht, dass du Kinder nach Noether schickst, deren Eltern du in den Tod geführt hast. Wir werden diese Kinder natürlich aufnehmen, aber wir hoffen, dass sie vergessen werden, welches Versagen sie ihre Familien gekostet hat.

Wenn die Horden, die du gesehen hast, wirklich so unüberwindlich sind, dann weißt du ja auch, wie du einen Tod findest, der eines Vächters würdig ist.

Sammas“

 

Die gleiche Schrift, aber geschludert, hastig hingeworfen.

 

„Orys, hiermit nehmen wir die Aberkennung des Titels zurück. Wir sehen den Heerzug der Kreaturen sich auf Noethen zuwälzen. Es ist die Pflicht der Havan-Bait sich diesem Vormarsch in den Weg zu stellen. Es wird noch mindestens drei Tage brauchen, bis die anderen Baits auf den Ruf reagiert haben und hier sind, diese Zeit musst du uns für die Vorbereitungen verschaffen, sonst ziehen wir aus mit viel zu wenig Kreisen und haben keine Chance.

In diesem Zusammenhang: Du hättest deutlicher machen müssen, dass dies ein Ereignis ist, das so noch nie vorgekommen ist. Dann hätten wir genügend Zeit gehabt. Dieses Vergehen zu richten, muss deine edelste Pflicht sein.

Sammas“

 

Ein Blatt, zusammengefaltet, in dem die anderen wohl gelegen hatten. Zerknittert. Braune Flecken an den Rändern wie die Spuren von schmutzigen Fingern.

 

„Domna Bren,

ich hoffe, mein Kind erreicht euch mit dieser Nachricht. Mikes wird alles sein, was von den Havan geblieben ist.

Unser Drakir hat sich einige Male an den Sprecher der Noethen-Elna gewandt mit Berichten über die heranziehende Gefahr eines dämonischen Heerzuges nie gesehenen Ausmaßes. Wir konnten sie nicht zählen, auch wenn wir viele Jäger verloren haben in dem Bemühen. Wir dachten, wir könnten sie aufhalten, aber wir haben uns geirrt.

Wir sahen, wie die Kreaturen die Mauern Noethens überwanden, einrissen, wie sie sich wie eine Flut in die Straßen ergossen.

Wir sahen, wie die Feuer begannen, wir sahen, wie Menschen versuchten zu fliehen. Niemand kam weiter als drei Bogenschusslängen, dann waren die Ingai über ihnen.

Wir hatten ein letztes Mal versucht, die Woge zu brechen auf dem Vikal-Hügel im Wes der Stadt. Dort werdet ihr die abgenagten Knochen von 20 Kreisen, sieben Kindern, 2 Heilerkundigen und Orys finden. Wir haben sie nicht für einen Herzschlag aufhalten können.

Glaubt nicht, dass die Macht der Baits ausreicht, wenn die Dämonen drei zu eins überlegen sind. Von über zwanzig Kreisen sind nur mein Kind und ich übrig. Aber mit einem Kind von elf Jahren werde ich nichts ausrichten können, das Einzige, was ich tue kann, tue ich hiermit: Euch vor der Gefahr warnen, und selbst versuchen, die Orte im Est der Hauptstadt zu warnen.

Hochmut tötet.

Kadrett von der Havan-Bait“

 

 

* * *

Izmira hatte die Haare lange gekämmt, so lange bis die Müdigkeit der Unrast gewichen war. Ein Blick auf die Besitztümer Rothads konnte nicht schaden.
Nur für einen Moment wunderte sie sich: Sie sah das Buch nicht, das ihr Onkel immer am Gürtel getragen hatte.

Und sie sah nicht den Schatten, der freikam.

 

 

 

 



[1] Wer Weralt führt.

[2] Die Baits oder Sippen sind Gemeinschaften, die im weitesten Sinne durch Blutbande geprägt sind, insbesondere aber Verteidigungs-/Jagdbündnisse sind, denen man nicht nur durch Blutsbande sondern auch durch Freundschaften, Verpflichtungen oder taktische Überlegungen beitritt.

[3] Caedes ist der Titel für die Heerführung, in Ermangelung eines stehenden Heeres handelt es sich eher um militärische Beratung.

[4] Amtsräume der Domna, zur Zeit in einem Zelt.

[5] Amtsvorgänger Izmiras und ihr Onkel.

[6] 21 Uhr.

[7] Dämonenstamm, übermenschengroß.

[8] Dämonenstamm, Schwarmjäger.

[9] Vacht der Mármark.

[10] Die Elna ist die Gemeinsaft der Drakir einer ortsgebundenen Gemeinschaft, entspricht also einem Stadtsenat oder einem Dorfrat.

[11] Hauptstadt der Marmark, einer der Schutzmarken Weralts.

[12] Die Drakir sind die Vorsteher der Sippen (bait).

[13] Gruppe eingespielter Jagdpaare.

[14] Dämonenstamm, Nachtjäger.

Fall der Mármark - Hochmut tötet - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Fall der Ealdmark

Untergang der Ealdmark

Im Frieden erblühend, ihr Sommerglanz wärmend.
Im Est goldnes Land, reichhaltig und nährend.
Doch Nebel so kalt, die Herzen verzagend,
Ealdmark gelähmt vor Grauen versagend.

 

Die Vächter zünden schweigend Kerzen an, um den Toten der gefallenen Mark zu gedenken. Jedes Jahr, am Tag des Untergangs, trauern und ehren sie ihre Kumpanen, Freunde und Fa-milie. Um die Überlebenden der Marmark, die in der Ealdmark unterkamen, vor der Angst und Trauer zu schützen, bilden sie ihre typischen Jagdkreise um sie. Zum dritten Mal führen sie diese Tradition nun durch, doch diesmal spüren die Anwesenden, trotz des Versuchs sie zu schützen und die Standhaftigkeit der Ealdmark zu bewahren, ein weitaus stärkeres Unbe-hagen im Raum liegen. Nach der Gedenkfeier ziehen sich die Vächter schweigend in ihre Gemächer und Zelte zurück. Auf der gesamten Ealdvacht liegt ein Nebel aus Trauer und Angst, die Vächter versuchen trotz ihrer, von Dämonen geplagten Gedanken, die Nacht zu vertreiben.

Die nächsten Tage und Nächte verbringen sie wie gewohnt, doch die Unbehaglichkeit und Ungewissheit schwinden nicht, bis die Elna der Ealdmark sich auf den Weg zur Domna ma-chen, um den Ablauf der nächsten Zeit zu besprechen. Die Bevölkerung spürt, durch die ein-wöchentliche Abwesenheit ihres „Stammoberhaupts“, ein neues Gefühl in ihrem Gemisch aus Ungewissheit und Trauer. Angst. Die Gedanken der untergegangenen Mark schwirren ihnen im Kopf herum und zwingen sie, ihre Trauer und Angst zu nähren. Sie gehen wie leere Hüllen ihren täglichen Aufgaben nach, werden schwächer, lethargisch und unsorgfältiger. Auch als die Elna in die Ealdvacht zurückkehrt, löst sich der unreine Nebel nicht von dem Bewusstsein der Vächter. Ein paar Monate vergehen und die Bewohner fallen tiefer und tie-fer in ein bodenloses Loch, die Felder werden karger, die Tavernen leerer und die Beute we-niger. Der Kampfwille sinkt. Nicht selten kommen die Vächter nur vereinzelt und stark verwundet aus dem Nebel zurück. Die Vächter werden schwächer und die Vacht mit ihnen. Die Elna fragt verzweifelt nach Unterstützung von den umliegenden Vachten, doch die Versuche scheitern vergeblich. Der Ertrag ist zu wenig, um die helfenden Krieger zu sättigen, die Priester und Heiler sind zu schwach, um sie ausreichend zu beschützen. Nach wenigen Wochen fallen auch sie den Dämonen zum Opfer, sowohl im Nebel als auch in ihren Köpfen.

Manche ziehen los, um die Dämonen zurückzuschlagen, doch ihr Griff ist zu schwach, um das Schwert zu führen, die Stimmen zu zittrig, um ihre Zauber zu wirken. Die anderen ziehen sich schon beim Gedanken an den Kampf gegen Dämonen zurück. Und Somit baut sich der Untergang der Ealdmark, über lange und angstgetriebene Monate, auf. Die Felder sind nun leer, die letzten Rationen werden aufgebraucht. Die Tavernen menschenlos und kein Tropfen Kervon im Fass, die Beute besteht nur noch aus abgemagerten Kadavern. Nur wenige trauen sich auf den langen und grausamen Weg durch den Nebel zu einer der anliegenden Vachten und noch wenigeren gelingt es. Die letzten überbleibenden Jäger bereiten sich auf das vor, was sie ihr Leben lang versucht haben zu vermeiden. Die Jäger werden zu den Gejagten.

Der Nebel kriecht näher, mittlerweile fast an den Mauern der Ealdvacht. Die paar Jäger, die noch über sind und den Mut haben, sich zu wehren, greifen nach den Schwertern, ziehen die Bögen oder sammeln ihre Zauberutensilien zusammen. Doch sie alle wissen allein durch die Anzahl an Kämpfern, dass sie kaum Widerstand leisten können. Der Nebel zieht immer nä-her, bis er durch die metallenen Tore in die Vacht hinein sickert. Auch der letzte überbleiben-de Widerstand ist vernichtet, nachdem die Vächter vom Nebel umhüllt sind. Alle nacheinan-der fallen sie. Nur wenige schaffen es, sich trotz ihrer Angst zu verteidigen, geschweige denn einen der Dämonen niederzustrecken. Nicht lange danach steht die Vacht leer, bis auf den tiefliegenden Nebel. Die Vächter entweder tot oder geflohen, auf dem weiten Weg durch Nebel und Kälte bis zu den nächsten Vachten. Wenige sind an ihrem Ziel angekommen, doch die, die es taten, berichten sofort die Nachricht des Unglücks.

Ein paar Tage vergehen, Tränen nässen die Wangen. Die Vächter bilden einen Kreis, vor je-dem eine Kerze. Der Reihe nach gehen und entzünden sie ihre Kerze an einer Fackel vor dem Zelt. Gemeinsam stellen sie die nun brennenden Kerzen vor sich auf den Boden. Letztendlich werden die Kerzenträger von einem Jagdkreis umstellt, sie alle umkreisen einen schweren Granitstein, mit der Aufschrift:

„Ealdmark gelähmt vor Grauen versagend “

Das Zelt füllt sich mit Kerzenduft und Rauch, doch die Schwader werden dichter und dichter, bis sie sich zuckend zusammenziehen. Ein Schrecken huscht zwischen den Vächtern umher. Letztendlich nimmt der Rauch eine entfernt humanoide Form an und entweicht dem Zelt. Die Vächter werden mit einem kalten Schauer in dem nun klaren und stillen Zelt hinterlassen.

Neo
März 2025

Fall der Ealdmark - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Fall der Nárlmark

Untergang der Nárlmark

Umsicht und Weitblick, den Himmel erstreben.
Im Nor Weisheits Türme, mächtig sich heben.
Im Streben nach Einsicht, beratend gefangen.
Nárlmark uneinig, gespalten vergangen..

 

Der Tumult zwischen den Zelten nahm zu. Bauern, Flüchtlinge und Verwundete drängten sich durch die engen Lagerwege. Der beißende Geruch von Rauch lag in der Luft. Ein Mann schob sich durch die Menge und schrie nach den Jägern.
„Flammen! Überall Flammen und Rauch! Die Dämonen sammeln sich!“
Eine hochgewachsene Jägerin packte ihn fest. „Beruhige dich! Du bist ein Bote, oder?“
„Ja! Ich muss sofort mit dem Rat sprechen!“ hustete er..

Der Rat war zerstritten. Uthar, breit gebaut mit flammend rotem Haar, schlug mit der Faust auf den Tisch. „Wir können keine weiteren Flüchtlinge versorgen! Unsere Vorräte reichen kaum!“
„Vielleicht hättest du vor Monaten zuhören sollen! Die Farmer berichteten von einem roten Himmelslicht!“, entgegnete Merrin scharf. „Genug!“ rief Audra, eine Frau mit langen, geflochtenen Haaren. „Jetzt ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Lasst uns handeln!“ Der Bote trat vor. „Der Westen brennt! Die Dämonen rotten sich zusammen!“
Der Rat erstarrte. „Sie sammeln sich nie! Sie sind zu wild und dumm!“, murmelte Uthar.
„Ich habe Berichte, dass sie es doch tun. Immer mehr tauchen in der Nähe auf. Meine Späher kehren nicht zurück“, fügte Eliandra kühl hinzu.
„Wir müssen kämpfen!“, brüllte Uthar.
„Nein! Wir sollten unsere Verteidigung ausbauen!“, entgegnete Merrin.
„Ihr unterschätzt beide den Feind“, erwiderte Eliandra. „Sie handeln strategisch. Sie sind organisiert.“
Audra schloss die Augen. „Wir müssen uns entscheiden. Jede Stunde kostet Leben.“
Der Rat löste sich unentschlossen auf.

In der Nacht verließ Uthar mit seinen Jägern das Lager, um die Bedrohung eigenständig zu beenden. Doch als sie im Wald ankamen, wurden sie von einem unerwarteten Feind überrascht.
Dunkler Nebel kroch zwischen den Bäumen. Rote Augen glühten aus dem Dickicht. Plötzlich wurde einer der Krieger in einen Baum geschleudert, Knochen knackten. Der Gestank von Blut erfüllte die Luft. „Rückzug!“ brüllte Uthar.
Doch es war zu spät.

Am nächsten Morgen wurde der Rat erneut einberufen. „Wo ist Uthar?“ fragte Audra besorgt. Ein Späher kehrte zurück, bleich und zitternd. „Sie sind tot. Alle. Die Dämonen… sie sind überall.“
Panik brach aus. Menschen stritten, ob sie kämpfen oder fliehen sollten. Dann erklang ein schauriges Brüllen. Der Nebel wurde dichter.
Aus der Dunkelheit kamen sie – Ingai, kleine, rasende Kreaturen mit scharfen Klauen. Die Verteidiger hoben ihre Schilde, doch es half nichts. Klauen zerrissen Haut. Der Boden wurde rot.
„Haltet die Linie!“ brüllte ein Krieger, bevor ihm die Kehle aufgerissen wurde.

Merrin webte magische Fäden, um Schutzwände zu errichten. Doch die Fäden flackerten. Er schwitzte, seine Hände zitterten. Dann sprang ihn ein Darothi an. Klauen durchbohrten seine Brust. Blut tränkte seine zerfetzten Gewebe.

Eliandra und Ritir kämpften Seite an Seite, bis ein gewaltiger Schlag sie auseinanderriss. Eliandra keuchte, ihre Rippen gebrochen. Ritir wurde von einer Kreatur gepackt und mit einem einzigen Hieb enthauptet.

Audra stand allein auf dem blutgetränkten Schlachtfeld. Ihre Magie flackerte, als ein Schatten auf sie zu schlich. Eine knorrige Hand erhob sich, der Nebel zischte ihr entgegen. Ihre Augen weiteten sich. „Nicht… jetzt…“, keuchte sie. Dann fiel sie, ihre Kehle aufgeschlitzt.

Das Lager, das einst voller Leben war, lag in Trümmern. Der Boden war schwarz von Blut, durchsetzt mit roten und violetten Pfützen, in denen sich das fahle Mondlicht spiegelte. Die Zelte waren niedergebrannt, die Überreste starrten mit verkohlten Gerippen in den Himmel. Waffen lagen verstreut, verbogen und unbrauchbar. Keine Schreie erklangen mehr, nur das widerwärtige Geräusch der Dämonen, die sich an den Toten labten.

Smaragdgrüne Augen starrten aus einem Zelt in diese Dunkelheit. Bilder von Feuer, Blut und Verzweiflung flammten darin auf, wie Fragmente eines zerrissenen Traums. Key’Leith blickte aus ihrem eigenen Zelt hinaus und versicherte sich das alles gut war. Sie band ihr kupfernes Haar zusammen, doch ihre Augen ließen die Bilder der Vergangenheit nicht los – die grausame Geschichte ihres Volkes spiegelte sich weiter in ihrem Inneren.

Ein schwerer, zitternder Atem entwich ihren Lippen, während sie sich wieder in ihr Bett legte. Ihre Decke bot kaum Trost, kaum Schutz vor dem Echo dieser vergangenen Geschichte. Es bohrte sich wie ein Dorn in ihren Geist und sie klammerte sich fest an ihrer Decke. Mit einem letzten wässrigen Blinzeln versuchte sie, die Bilder zu vertreiben – die brennenden Zelte, die Schreie, die grotesken Silhouetten der Dämonen.

Lautlos und schleichend entwich ein schattenhaftes Wesen, wie ein dunkler Rauch, der von einem unsichtbaren Wind getragen wurde. Es glitt zögernd über ihre Gestalt, ehe es sich mit einem leisen, kaum hörbaren Windrauschen aus der Zelttür drängte und in die unbarmherzige Dunkelheit verschwand.
Die Nacht war still – eine Stille, die grausamer war als jeder Schrei.

Helena
März 2025

Fall der Nárlmark - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Fall der Wersmark

„Gegen die Ödnis, felsenfest, standhaft.
Im Wes engster Bund, trotzt trostloser Landschaft.
Kampf fordert Opfer, zu groß ist die Lie-be.
Wersmark bleibt stur, verschlungen vom Kriege“

 

Die Worte hallen in mir, in meinem Kopf, wie ein Echo, immer und immer und immer wieder.

Der Weltenteppich rauscht in seiner unbegreiflichen Größe an mir vorbei, ich sehe unzählige Lebensfäden beginnen und enden. Verzweifelt versuche ich, dem überwältigenden Werk unserer Gottheit zu entkommen und damit auch der nächsten grausamen Vision, die am Ende dieser gewaltigen Strömung auf mich wartet. Trotz meiner Anstrengungen zieht es mich immer weiter hinab in das Innere, in die Tiefen. Und da sehe ich ihn, den nächsten Lebensfaden, auf den ich zufalle. Brennend hell leuchtet er, doch sein Ende zerfasert zum Nebel des Chaos. Der Faden wird immer größer, bis er mein gesamtes Blickfeld einnimmt. Ich öffne die Augen. Seine Augen? Oder doch die meinen?

Das Meer rauscht vor mir in sich stetig wandelndem Rhythmus, die Wellen brechen wie gewohnt an den Klippen seiner, nein meiner Heimstatt. Der morgendliche Geruch von frisch ausgeweideten Fischen mischt sich mit dem Algengeruch. Der immerwährende Wind schlägt einen Richtungswechsel ein und streicht mir, wie mein Vater früher, sanft das Haar aus dem Gesicht.

Die trutzige Wersvacht fängt meinen schweifenden Blick. Die große, aus dem Felsen geschlagene Steinmauer umarmt die geschützte Bucht. Errichtet, um die umliegenden Baits, die Küstendörfer, vor Piratenüberfällen zu schützen. Als dann vor Generationen die Dämonen anfingen, den Mir, Est und Nor zu verschlingen und auch die Herzmark zu bedrängen, webte man schützende Zeichen in die Mauer ein. Seitdem hat der Nebel kein einziges Mal die Mauer berührt und kein Dämon konnte die Mauer überwinden. Ich glaube jedoch, dass dies eher meinen Vächtern und ihrem engen Bund zu verdanken ist.

„Vohrdan!“, ruft mich eine Botin aus meinen Gedanken: „Dein Vater ruft seinen Rat ein. Eine Nachricht aus dem Herz.“ Der Rat meines Vaters, der Elna, ist nur noch dem Namen nach ein Rat. Damit sich die Ereignisse des zerstrittenen Nors nicht wiederholen, ließ sich meine Urgroßmutter in ihren jungen Jahren zur Alleinherrin der Wersvacht wählen. Bevor ihr Faden im hohen Alter riss, gab sie ihre Stellung an meinen Vater weiter. Auf dem Weg zum Haus des Rates kreisen meine Gedanken um die Nachricht. Was will das Kernland von uns, was fordert die Domna?

Als ich später schäumend vor Wut aus dem Ratshaus stürme, kreisen meine Gedanken immer noch, jetzt jedoch um die gesprochenen Worte und den giftigen Befehl der Domna. Wie kann mein Vater es wagen, unsere Heimat so zu verraten? Dieser Kernlandhund! Denkt er etwa gar nicht an die Schwächeren unter uns? Wir sollen unsere Heimat aufgeben und mit allen, die noch können, der Hauptstadt zur Hilfe eilen? Was hat die Domna je für uns getan? Und die Zurückbleibenden und unsere Heimat, unser Land soll einfach so fallen? Das muss ich verhindern, unser Land darf nicht schutzlos bleiben!

Daraufhin fasse ich einen eisernen Entschluss. Unter dem Vorwand, die Nachhut zu bilden und die Zurückgelassenen mit Gift auszustatten, bleiben drei Dutzend meiner treuesten Mauerwachen, trotz des scharfen Auges von Vater, mit mir zurück, bis der Rest der Armee abgereist ist. Wir werden die Mauer halten, sodass sie heimkehren können. Falls sie heimkehren.

In den Tagen, die folgen, fängt der Nebel an, sich um die Mauer zusammenzuziehen. Ohne je dünner zu werden, frisst er unser Bild des umliegenden Waldes. Als er auch die Geräusche des Umlands verschlingt, fangen die Ersten an zu zweifeln. Kaum hält der Nebel eine halbe Armeslänge vor der Mauer inne, beginnt er sich in unseren Köpfen zu bewegen. Manchen macht das, was sie im Nebel sehen, wenig aus. Andere beginnen ununterbrochen zu beten oder ritzen sich Schutzzeichen in die Haut.

Ein Schrei reißt mich aus meinen Gedanken. Mein Kopf zuckt nach links, wo ich Viran sehe, meinen Vertreter und Freund. Zusammengesunken hält er seinen rechten Arm und wimmert leise. Im Näherkomme sehe ich seinen Panzerhandschuh auf einer Zinne und an der Mauer darunter einen hässlichen Blutfleck. Ich höre mich nach einem Heiler rufen. Als ich ihn erreiche, verstehe ich sein Geflüster, doch es ergibt kaum einen Sinn. Er bittet um Vergebung, um Gnade. Wofür? Ich weiß es nicht. Als ich ihn an der Schulter fasse und versuche, seinen Arm genauer zu betrachten, sehe ich den blutigen Fleischklumpen, wo einst seine Hand gewesen war. Er muss seine Faust mehrmals gegen die Mauer gerammt haben, um sich so etwas anzutun. Gelähmt durch den Schock, reagiere ich nicht, als er mir seinen verletzten Armstumpf ins Gesicht rammt. Kurz darauf höre ich einen dumpfen Aufprall vor der Mauer und weiß, Viran ist aus der Welt geflohen.

Während ich am Boden liege und sein Blut aus meinen Augen reibe, schleicht sich die Reue in mein Herz. Die Reue, nicht mit Vater gegangen zu sein. Der Selbsthass über meine Sturheit frisst mich auf, als mich die Erkenntnis trifft. Er und die Domna hatten recht: Die Schwachen und das Land konnten nicht gerettet werden. Doch ich war nicht gewillt, das nötige Opfer zu bringen. Dafür sterben sie nun, drei Dutzend gute Menschen, im Kampf geschult.“ Als ich mich aufrichte und noch halbblind versuche, über die Mauer zu blicken, fällt es mir auf. Der Nebel ist über die Werswacht hereingebrochen. Viran muss die Schutzzeichen auf seinem Weg nach unten beschmutzt haben. Ich drehe mich weg von den Zinnen und schreie Befehle, damit wir nicht kampflos fallen.

Ein massiger Körper reißt ihn – Vohrdan – von den Füßen und beißt sich an seiner Kehle fest. Ich spüre seinen Todeskampf noch in aller Klarheit. Während ich aus seinem Körper gerissen werde, scheint sich ein weiterer dunkler Schatten an ihn zu krallen.

Mit seinem Leben falle ich aus dem toten Körper zurück in den endlosen Strudel des Weltenteppichs.

Damian
März 2025

Fall der Wersmark - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Fall der Suásmark

„Der Küste Vollendung, ein stetiger Wandel.
Im Sud blüht das Leben, das Handwerk, der Handel.
Dämonen verzerren, Gemeinsinn missraten.
Suásmark vernichtet, aufs Blute verraten.“

Ein Mann stand auf den Wällen der Suásmark und starrte in die Dunkelheit. Sein Blick schweifte über die Weite des Ozeans im Sud, runter zu der kleinen Stadt und weiter über die weiten offenen Lande im Nor. Seit dem Fall der Wersmark vor über hundert Wintern waren die Mauern nie unbemannt, da zu jeder Zeit mit einem Angriff gerechnet wurde. Bisher war jedoch alles ruhig geblieben. So stand der Mann heute allein auf den Mauern, denn in der Stadt feierte man das große Fest zum Ende der Kältezeit.

 

 

Energisch begann Theroin über seine nasse Wange zu rubbeln, als könne er mit der Träne auch die schmerzenden Gedanken zerstreuen.

 

 

 

Theroin, der nun schweigsam über die Zinnen der Stadt sah und wartete. Die Luft schwirrend von Erinnerungen.

 

 

Eine weitere Träne stahl sich aus Theroins suchendem Blick, als er plötzlich seichten Nebel ums Tor wabern sah. Es war gekommen! Theroin packte seine Fackel und einen Dolch und lief die steile Wendeltreppe hinunter, die zum Torbogen führte. Er öffnete die hohen Holzflügel gerade weit genug, dass er hindurch schlüpfen konnte, und sah auf die Steppe hinaus. Natürlich konnte er den Dämon allein nicht sehen, aber der Nebel verriet ihm, dass das kleine Wesen wohl vorsichtig auf Abstand zu seiner Fackel blieb.

„Kannst du meine Frau retten?“ rief Theroin mit rauer Stimme in den Nebel, in dem Versuch den Lärm der Feier von drinnen zu übertönen. Der Nebel kam näher und seine Fackel erlosch.

Es war ein Impuls, sagte er sich später. Sein ganzes Wesen hatte ihn dazu aufgefordert das Monster zu seiner Frau zu lassen und so drückte sich Theroin mit all seiner Kraft gegen das Tor. Die Flügel schwangen auf, Nebel sickerte in die Straßen der Stadt und verteilte sich zwischen den Häusern. Zu viel Nebel. Er wurde nicht dünner, sondern strömte von den Ebenen in die Häuser und Gassen, bis nichts mehr zu sehen war als das milchige Grau.

Und dann begannen die Schreie. Häuser in Flammen, Tote auf den Stra-ßen, Vächter überall, die sich bereitmachten für den Krieg. Eine Hand griff nach Theroin, sie gehörte zu Selia, einer erfahrenen Kämpferin mit grauem Haar und einer grimmigen Miene. Sie lotste ihn zu einer Gruppe von Vächtern, die sich auf der Hauptstraße gesammelt hatten.

 

 

 

Er wusste nicht, warum die Dämonen ihn nicht töteten. Drei Tage saß er in den nebelverpesteten Ruinen und hoffte auf den Todesstoß. Drei Tage sah er hilflos zu, wie die Körper seiner Freunde zerfleischt wurden. Noch schlimmer war, dass einige von ihnen wieder aufstanden. Ihre Augen so schwarz wie die des kleinen Dämonen. Ihre Blicke gefroren im Horror ihres Todes.

Lisa
Dezember 2024

Fall der Suásmark - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

Ein Hoffnungsschimmer

Erzählung zu den weiteren Ereignissen in der Traumstadt Dvorsch Bakhvy

Ein kalter Atem kratzt an erdrückenden Wänden. Ein Schatten im schaudernden Wind. Nebelschwaden ziehen durch leere Gassen. Dicht an dicht starren dort ungreifbare Schemen. Sie flüstern sich verunsichert zu. Schreiend stürmen sie umher. Gehetzt kriechen sie gegen die zähen Ketten an. Gelähmt, zerfasernd, gejagt. Träumend.

Blickt man auf die Stadt des Albtraums, sieht man in den Schatten der Gebäude das Meer der Gestrandeten. Die träumenden Magiraner treiben sinnlos umher, sind mehr im Dort als im Hier. Ein jeder befindet sich in einem ungreifbaren Nicht-Zustand ohne Ziel, voller Unsicherheit und der niemals endenden Ahnung von Reißzähnen im Nacken.

Doch ein Gefühl der Wärme zieht nun durch die verschlungenen Straßen. Die Flut an Träumenden fließt darauf zu. Zunächst zögerlich doch dann, als wäre der Damm gebrochen, in einem stetigen Strom dem Funken Vertrautheit hinterher.

Vera führt den Fluss der Gestrandeten weg von den erkalteten Gemäuern. Vor die Tore, wo die Angst weniger grausam ist und die Albträume weniger dicht gewebt sind, hin zum Versprechen von Klarheit und Sicherheit im Lager. Sie tanzt leichtfüßig umher, berührt eine jede Seele und erinnert diese an das Verstehen und das Sein. Ein Seufzer der Erleichterung, das Gefühl des Erwachens und die Verwunderung über den Traum kommt über die Träumenden.

„Magiranerinnen, Magiraner, ich fühle mit euch. Ein böses Erwachen in einem weiteren Traum. Gefangen, Gestrandet in Dvorsch Bakhvy. Key’Leith war die erste von euch und doch ist sie auch der Grund, warum ihr nun hier seid. Mit ihrem von Visionen geplagten Geist kam sie zu mir und ich versuchte ihr zu helfen und ihr Frieden zu schenken. Um sie zu erfrischen, führte ich sie an einen klaren Brunne. Doch es erfasste sie die ohnmächtige Angst und die Albträume brachen aus ihr hervor. Dvorsch Bakhvy wurde in seinem Fundament erschüttert und verzerrt. In diesem Moment wurdet ihr alle aus der von euch geträumten Version der Traumstadt gerissen und in Key’Leith Albtraumstadt eingeschlossen.

Ich konnte euch versammeln. Helft ihr mir jetzt diesen Ort vor den Toren der Stadt in eine Zuflucht zu verwandeln. Einen Ort, der sich gegen den Wahnsinn stemmt. Hier wollen wir uns stärken und sammeln auf das wir uns gemeinsam zur Wehr setzten. Wir wollen die Fesseln der Angst bekämpfen, sodass ihr alle bald in euren eigenen Traum zurückkehren und erwachen könnt.“v Die bunte Menge Magiraner zieht aus und errichtet ein Lager, wo Feuerschein und Geselligkeit eine Blase in der Dunkelheit erschaffen. In all dem webt Vera Bänder von Licht und Wärme. Im Herzen des Lagers erschafft sie einen Ort des Lebens, einen wahrlichen Hoffnungsschimmer.

Von dort zieht er aus, der Widerstand der Gestrandeten. Zieht aus, um dem Albtraum die Stirn zu bieten.

Bjarne
Juni 2025

Ein Hoffnungsschimmer - gelesen von Katha, musikalisch begleitet von S1

 

 

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